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Kein bisschen neben der Spur…

Im Pistenbully mit Rainer Wörndl, Loipenspurer im Langlaufdorf Faistenau

Rainer Wörndl schläft im Winter schlecht: Mitten in der Nacht stiehlt sich der 46-jährige Bio-Bauer aus dem Bett, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Einmal um Mitternacht und später auch noch um drei Uhr früh. Sein Interesse gilt dem Wetter: Ist der Himmel noch klar? Wann beginnt es zu schneien? Wie tief fallen die Temperaturen?

In aller Früh geht der Faistenauer dann aus dem Haus, überlässt die Stallarbeit und die 22 Milchkühe seiner tüchtigen Frau Elisabeth und macht sich auf zu seinem winterlichen Arbeitsplatz: Mitten in dem idyllischen Örtchen Faistenau, in dem um fünf Uhr früh noch keine Menschenseele unterwegs ist, parkt der knallrote Pistenbully „Johannes“ vor dem alten Feuerwehrhaus. Das fünf Tonnen schwere Gefährt ist Rainer Wörndls verlässlicher Kumpane während der Wintermonate: Anspringen tut der auch noch, wenn’s knackig kalt wird.

In dieser Nacht hat es gut zehn Zentimeter geschneit; ein paar Hasen und Füchse haben ihre Abdrücke hinterlassen. Wenn es in ein paar Stunden hell wird und die Sonne über die Berge blinzelt, werden sich die ersten Wintersportler auf die Spuren von Rainer und „Johannes“ machen: Bis dahin ist die Loipe für Skater und Langläufer optimal präpariert, sodass es geradezu knirscht unter den Kanten.

Verloren im „Whiteout“

Gut fünf Stunden braucht Rainer Wörndl, um das rund 54 Kilometer lange Loipennetz in Faistenau zu spuren: Die 4,8 km lange Dorfrunde, die 10 km lange Skating-Loipe, die 19,2 km lange Tiefbrunnauloipe, die Oberascher Loipe, die Nachtloipe, jene in die Bramsau sowie die beliebten Winterwanderwege. In seinem fünften Winter kennt der gelernte Mechaniker die Gegebenheiten und das Gelände; er hat sich mittlerweile zu einem echten Spezialisten entwickelt: 200 Schneestangen aus Holz weisen ihm im Neuschnee und in der Dunkelheit den Weg. Diese hat er zum Teil bereits im Herbst in den Boden geschlagen. Unter Aufsicht und nach Anweisung eines älteren Dorfbewohners, der – selbst Langläufer – die Strecken wie seine Westentasche kennt und ihm dabei hilft, die Spur anzulegen. „Die schlimmste Sicht hat man bei Schneetreiben: Da hast du keine Kontraste mehr“, erklärt Rainer Wörndl, der selbst nicht einmal Langlaufski besitzt. „Dann kann ich mich nur an den Rillen am Loipenrand und an den Schneestangen orientieren.“ Einmal in fünf Jahren hat er sich verfahren: Da stand er mit seinem Pistenbully irgendwo im „Whiteout“. Zum Glück hat’s keiner gesehen!

Die nachfolgende Bildergalerie ist mittels Pfeiltasten (links, rechts) bedienbar.

Eine körperliche Herausforderung

Wie anstrengend die Arbeit und die stundenlange Fahrten in dem ohrenbetäubend lauten Pistenbully sind, kann man nur ahnen. Wer einmal in dem 100 PS starken Gefährt gesessen hat, weiß: Das ist nichts für Memmen! Je eisiger der Untergrund, umso unruhiger wird die Fahrt und umso mehr wird der ganze Körper durchgerüttelt. Rainer Wörndl lacht: „Nach fünf Stunden Fahrt bist du fertig“. Zu seiner Ausstattung gehören Heizung, Radio, aber auch Ohrstöpsel, wenn ihm der Pistenbully zu laut wird.
An diesem Morgen gleitet die Fräse gut über den Neuschnee und hinterlässt eine perfekte, gut 3,5 Meter breite Spur: Rainer Wörndl kann ein bisschen auf die Tube drücken und nähert sich der Maximalgeschwindigkeit von 10 km/h. Das ist auch gut so, denn eigentlich hatte er die Loipe schon am Vorabend gezogen, damit sie über Nacht optimal anfrieren kann. Diese Menge an Neuschnee kam überraschend und bedeutet ein paar Stunden Zusatzarbeit.

Rainers Gespür für Schnee

Zu Rainer Wörndls Aufgaben gehört nicht nur das Spuren der Loipe: Das Setzen der Schneestangen sowie von weiteren rund 200 Hinweistafeln, das Einschaufeln der Schwellen, wo die Loipe die Straßen überquert und die Vorbereitungen im Vorfeld von Veranstaltungen gehören ebenfalls zu seinem Arbeitsbereich. In Wintern mit normaler Schneelage verbringt Rainer Wörndl zwischen 200 und 300 Stunden in seinem Pistenbully: Frühmorgens, zum Teil auch tagsüber oder am Nachmittag – bis zu sieben Stunden an manchen Tagen. „Das Loipenspuren ist vielfach Gefühlsache und hat mit dem Wetter, dem Schnee, dem Untergrund und den Temperaturen zu tun. Ich schau mir an, wie sich die Loipe tagsüber entwickelt und wenn die Skater im Schnee versinken, dann fahre ich am Nachmittag noch einmal, um den angetauten Schnee an der Oberfläche mit dem darunterliegenden Schnee zu mischen. Die Skatingloipe wird ohnehin jeden Morgen neu abgezogen“, erklärt der Loipenspurer, der seine Arbeit mit ungeheurere Gewissenhaftigkeit erledigt.

 

Millimeterarbeit, die belohnt wird

Das Feedback von den Langläufern und Skatern bekommt Rainer Wörndl unvermittelt und direkt. „Viele deuten mir mit dem Daumen nach oben, dass die Loipenbedingungen super sind“, schmunzelt er. „Aber natürlich sind auch andere dabei: Den einen fahre ich zu langsam, den anderen zu schnell. Allen kann man es ohnehin nicht recht machen.“ Doch Rainer Wörndl ist eine absolute Frohnatur und nimmt’s nicht persönlich: „Das Loipenspuren ist eine sehr genaue Arbeit und eine Wissenschaft für sich. Das Ganze ist Millimeterarbeit: Ein Raupenfahrzeug dieser Größe richtig zu fahren – mit der optimalen Geschwindigkeit, der richtigen Drehzahl – ist nicht einfach. Bei starkem Gefälle gräbt sich die Fräse zu tief ein, Gummiketten sind besser für die Wiesen und den Untergrund, bei Steilflächen braucht man jedoch Eisenketten und bei viel Schnee sind sogar 100 PS zu wenig.“

Über Sprücheklopfer kann der Faistenauer herzhaft lachen. Und unter uns: Der Loipenspurer macht seine Arbeit nicht nur genau, sondern tatsächlich perfekt! Denn Faistenau gilt als absolutes Eldorado für Langläufer und Skater: Nirgendwo kann man besser über die Loipen flitzen als hier!

Um sich ein einen Eindruck von Rainers Arbeit zu verschaffen haben wir auch noch ein Video für Sie